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NEWS 2011 09 27 GER   Erstellt am:27.09.2011

27. September 2011

ANGEKOMMEN
22. September ca. 16:30 Uhr: Walter und Steffi landen bei starkem, böigem Wind am Rande des WWF-Schutzgebietes Laguna di Orbetello. Nach dem Aufsetzen wird der Schirm vom Wind nochmals erfasst, das Fluggerät wird hochgerissen, kippt fast zur Seite um. Walter gelingt es schließlich, das Fluggerät in den Windschatten einer Baumgruppe zu manövrieren. Da ist es endlich sicher. Die 14 Vögel waren von dem Manöver ganz unbeeindruckt. Sie landen problemlos, scharen sich um die Ziehmutter Steffi. Auch die zweite Ziehmutter Daniela ist da. Bald beginnen sie ganz entspannt zu stochern, als wären sie gerade mal eben für kurze Zeit in der Luft gewesen....
Dabei haben sie den längsten Migrationsflug hinter sich, den Vögel und Menschen je im Rahmen eines menschengeführten Fluges geflogen sind. Um 07:30 Uhr sind die 14 Vögel und zwei Fluggeräte in Lugo, nördlich des Apennin nahe Ravenna, gestartet. Nach 4.5 Stunden landete die Formation auf einem kleinen Flugplatz um aufzutanken. Bis zu diesem Flugplatz war Daniela als Co-Pilotin bei Walter mitgeflogen und hat ständig nach den Vögeln gesehen und sie gerufen. In der letzten Stunde ist ihr ziemlich übel geworden. Thermik hat eingesetzt, die Vögel haben begonnen sich in den Aufwinden immer wieder hochzuschrauben. Das verzögert das Vorwärtskommen und zwingt auch Walter zum oftmaligen Kreisen. Und das tut einem sensiblen Magen nicht gut….
Ich fliege mit Markus als Co-Pilot. Wir haben die Aufgabe, die Vögel nicht aus den Augen zu verlieren. Bei der zweiten Flugetappe wird das immer schwieriger, denn die Vögel folgen nicht mehr geradlinig dem Leit-Fluggerät, sondern suchen nach Aufwinden, schrauben sich hoch und fliegen dann sehr rasch dem Fluggerät hinterher. Dabei kann man sie leicht aus den Augen verlieren.
Aber es ist phantastisch anzusehen, wie mühelos die Vögel Höhe machen, wie leicht sie die Aufwinde finden. Es machte den Anschein also ob ihnen das alles Spaß macht. Von Ermüdung keine Spur. Aber auch das Leit-Fluggerät ist spannend zu beobachten. Walter kann unter diesen Bedingungen seine langjährige Erfahrung ausspielen. Ich habe den Eindruck, dass er mit der Thermik ebenso spielt und seinen Spaß hat wie die Vögel, und auch er scheint keine Ermüdung zu kennen.
Aber, rund drei Stunden nach der Zwischenlandung wir sein Treibstoff knapp. Walter ist nicht sicher ob er es noch bis zum Ziel schafft. Da klingen die Funksprüchen dann doch etwas angespannt. Walter versucht nun noch mehr die Thermik zu nutzen um Treibstoff zu sparen.
Als wir uns der Küste nähern ändern sich die Bedingungen dann dramatisch. Starker Wind aus Nord-Ost macht das Vorwärtskommen immer schwieriger, wir müssen aufpassen, dass wir nicht abgetrieben werden, denn die Windgeschwindigkeit ist allmählich höher als die Eingengeschwindigkeit der Fluggeräte.
Es geht sich knapp aus, Walter hat nach der Landung weniger als einen Liter Treibstoff im Tank. Danke an dieser Stelle bei den MitarbeiterInnen der WWF-Oasi Laguna di Orbetello, die die Wiese wieder extra für uns gemäht haben!
Insgesamt waren wir an diesem Tag 8:20 Stunden in der Luft und haben 365 Kilometer zurückgelegt. Das war die insgesamt achte menschengeführt Migration im Rahmen unseres Projektes, die erste Migration von Salzburg aus. Wir sind am 20. August gestartet und waren 34 Tage unterwegs. Das ist lange, viel länger als wir uns das erwartet haben. Das liegt insbesondere daran, dass die Vögel ab Beginn der Migration viel Gewicht verloren haben und in Slowenien dann den Weiterflug beständig verweigerten. Wir waren mehr als zwei Wochen an ein und demselben Ort. Aber schließlich legten die Vögel wieder an Gewicht zu und waren auch wieder motiviert. Längere Zwischenstopps sind für migrierende Waldrappe an sich nicht ungewöhnlich, in diesem Fall haben wir das aber wohl durch einen Fehler in der Futterzusammensetzung verursacht. Aber letztlich haben wir unser Ziel erreicht, und auch noch etwas dazu gelernt.
Zudem konnten wir letztlich die Flugleistungen des vergangenen Jahres noch deutlich überbieten. 2010 erhöhten wir die Maximaldistanz von bislang 150 km auf 275 km. 2011 waren es mit 365 km dann nochmals um 90 km mehr. Und in Bezug auf die Vögel ist das wohl noch immer nicht das Limit – eher schon in Bezug auf die Besatzung und die Fluggeräte. Es geht uns dabei aber nicht (nur) um das Ausreizen des Potentials an sich. Unser Ziel ist es, die menschengeführte Migration derart zu optimieren, dass ihr Verlauf jenem einer natürlichen Herbstmigration möglichst nahe kommt. Und das ist uns weitgehend gelungen, das beweist das Leistungsvermögen der Vögel im Rahmen solcher Langstreckenflüge.
Abschließend möchte ich mich bei allen Mitarbeitern, Partnern, Förderern und Sponsoren bedanken. Hervorheben möchte ich bei der Gelegenheit die beiden Ziehmüttern Daniela Trobe und Steffi Heese, die sich seit April mit voller Hingabe und sehr professionell um die jungen Vögel gekümmert haben und bei unserem Piloten Walter Holzmüller, der sich wieder mit vollem Engagement und all seinem großartigem Können in den Dienst des Projektes gestellt hat. Vielen Dank euch allen!!! Hoffen wir gemeinsam, dass diese jungen Waldrappe der Generation 2011 ihre Chance nutzen können….
GESCHAFFT!
Landeanflug auf die frisch gemähte Wiese am Rande der WWF-Oasi Laguna di Orbetello.
Foto Markus Unsöld

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